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SONNTAGS FÄHRT KEIN LINIENBUS
12 Blätter zum Exodus
Feder, Tusche und Deckweiß auf Karton
je ca. 50 x 80 cm

 

 

 

 

Die zwölf großformatigen lavierten Pinsel- und Federzeichnungen zum "Exodus" stehen am Beginn der künstlerisch schöpferischen  Auseinandersetzung von Herbert Franz mit dem Alten Testament. Der Bericht vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, der Aufbruch aus Fremdherrschaft und Sklaverei in das von Gott verheißene gelobte Land. Mit all seinen Ereignissen und Verallgemeinerungen erwies es sich als ein überraschend tragfähiges Gleichnis heutigen Geschehens.

   

Im Mythus geschieht alles zum ersten Mal, aber diese Erstmaligkeit ist zugleich Wiederholung. Seit dem Exodus sind über die Jahrhunderte und Jahrtausende bis in unsere Zeit immer wieder Menschenströme aufgebrochen und haben in der Hoffnung im gelobten Land anzukommen alles hinter sich gelassen. Welcher Verheißung folgten Sie?  Wie sah die Erfüllung  dieser Verheißung  aus?
Fand sie überhaupt statt oder folgte nur neue Not und neues Elend? Aus der zyklischen Wiederkehr des Gleichen erwächst das archetypische Geschehen.
Sich auf den Weg machen, die nicht mehr zu bewältigenden Lebensprobleme hinter sich zu lassen ist auch das Ziel heutiger Aufbruchversuche.

 

 

Herbert Franz betont bereits im Titel der Folge „Sonntags fährt kein Linienbus“, 12 Blätter zum Exodus, die Schicksalhaftigkeit und Verklammerung der künstlerisch aufgegriffenen Probleme mit dem Mythus, wenn auch die Zeitproblematik deutlich erkennbar dominiert und durch die Titel der einzelnen Zeichnungen unterstrichen wird.
Die „Morningshow"  reflektiert sinnbildhaft das Tagesgeschehen, aber das im Hintergrund sich drehende Rad mit seinem ständigen Auf und Ab symbolisiert die Wiederkehr des Gleichen. Die großartige Methapher vom Tanz um das goldene Kalb ist in die "Erinnerung an eine Tanzveranstaltung" integriert und der schmelzende “Schneemann" eine witzige augenzwinkernde Pointe für das verwässern selbst geschaffener Götzen.
Die  Anspielungen und Deutungsmöglichkeiten  sind  vielschichtig.
Man sollte dabei aber nicht übersehen, welch ein Vergnügen es bereiten kann, sich die Blätter aus dem Erlebnis des bildkünstlerischen Formklimas zu erschließen. 
Im Alten Testament geht es um das kollektive Schicksal des Volkes. Auch Herbert Franz betont in seinem Exodus-Zyklus das kollektive Geschehen und verzichtet auf Typisierung oder Individualisierung.
Blatt für Blatt füllen Menschenmassen, einander bedrängend und verdrängend, den Bildraum, erwecken den Eindruck einer chaotischen, kaum mehr beherrschbaren Situation, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Unmerklich gerät der Betrachter, bemüht die Situation zu entschlüsseln, in den Sog dieser ausdrucksstarken Blätter.

 

Gesamtansicht

 

Herbert Franz ist ein großartiger Zeichner. Er baut seine Blätter auf einem vibrierenden, erregenden Hell-Dunkel-Kontrast  auf. Die einzelnen Gebilde sind in eine ständig an- und abschwellende Dynamik eingebunden, verdichten sich ahnbar zu Figurengruppen und lösen sich wieder in Strukturelemente auf. Ein zartes subtiles Lineament der Federzeichnung steht heftigen, verletzenden, nachtdunklen Pinselhieben gegenüber; lavierte Hintergründe schließen den Bildraum. Mit diesem konzertierten Einsatz formalästhetischer Gestaltungsmittel erzielt  er eine Stimmung zwischen Ahnung und Geheimnis, Hintergründigkeit und Magie; Realität und Imagination verschmelzen.